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2007-05-19

OZ: Camp Reddelich spaltet die Gemeinde

Ein Dorf im Wechselbad großer Gefühle. Ängste und Sorgen auf der einen Seite – Anteilnahme und Verständnis auf der anderen Seite. Was alle eint: der Wunsch nach einem friedlichen Verlauf.

Reddelich Volles Partyhaus. Kameras überall. Stühle rücken. Wann hat Reddelich das je erlebt? „Keine Ahnung. Wir sind in den Schlagzeilen“, meint ein Anwohner. „Hoffentlich geht alles gut ab.“ Gemeint sind der Gipfel und das Camp, das im benachbarten Gewerbegebiet entstehen wird. Auf der sechs Hektar großen Fläche werden um die 5000 Demonstranten erwartet. Friedlich Protestierende, wie die Attac-Organisatoren auf der Info-Veranstaltung versichern. „Ihr könnt Euch persönlich davon überzeugen, seid zu unseren gewaltfreien Aktionen eingeladen“, so Adolf Riekenberg vor großer Kulisse. Und: „Die einzigen, die draußen bleiben, sind die Faschos.“ Klingt gut, kann man mitgehen, murmelt eine Frau aus der zweiten Reihe.

Dann: „Unser Gegner ist die G8, nicht die Bevölkerung“, macht Chris Methmann von der globalisierungskritischen Bewegung klar. Résistance, der Begriff der französischen Widerstandsbewegung im zweiten Weltkrieg, macht die Runde. „Denn der Club der Reichen und Mächtigen maßt sich an, über die ganze Welt zu bestimmen. Immer mehr öffentliche Einrichtungen werden privatisiert, um Kapitalbesitzern Profitquellen zu verschaffen. Dagegen sind wir.“ Auf der anderen Seite würden Löhne und Kosten für den Umweltschutz gesenkt.
Dann die Frage aus dem Auditorium: „Warum bleibt Ihr nicht zu Hause?“ Kritiker Riekenberg: „Weil der Gipfel hier stattfindet.“ So einfach sei das. Die Gegner wären nicht verantwortlich für den bombastischen Polizeieinsatz. Und beruhigend: „Wir wollen keine Krawalle, haben ein Team, das für Ordnung auf dem Platz sorgt.“ Kommen die Lieferautos durch, will Antje Hackendahl von der Fleischerei wissen.

Zufahrtsstraßen bleiben offen, betonen die Aktivisten. Geparkt werde vor dem Partyhaus und auf Flächen, die der Bauer bereitstellt. Dort soll es an zwei Tagen auch Konzerte mit internationalen Bands geben. Der Reddelicher Dorfverein will sich mit um den Getränke-Ausschank kümmern. „Die Einnahmen fließen in Dorffeste und Spielplätze. Wir als Gemeinde sind pleite“, so Andreas Elmer.

Der Fahrplan: Am 29. Mai kommen die ersten 100 bis 200 Camp-Gäste, die Masse der Teilnehmer wird erst nach der Großdemo in Rostock am 3. und 4. Juni eintreffen. Bis 9. Juni wollen die Kritiker ihr Haupt in Reddelich betten. Wichtig auch: 100 Dixie-Klos sind bestellt. „Eine Reihe stellen wir an die Grundstücksgrenze von Herrn Joppeck“, so ein Attac-Vertreter. Großes Gelächter, aber auch Kritik, dass man so nicht mit Bürgern umspringen könne, nur weil einem die Nase nicht passe. „Leute, was soll das? Wir müssen miteinander reden“, meint Riekenberg versöhnlich. Michael Joppeck, der einen Sicherheitsdienst und Kommunalservice betreibt, will darüber nachdenken. Später. Spontan erhebt sich ein Reddelicher. Es ist Steffen Lorenz, der meint: „Wir sollten uns als gute Gastgeber präsentieren, damit ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit geraten.“ Applaus. Am Ende kommt Bürgermeister Erhard Rünger auf den Mann zu, schüttelt Hände. „Danke, dass Du das gesagt hast. Das war wichtig.“
ANETT JONUSCHAT

[http://www.ostsee-zeitung.de/archiv/index.phtml?Param=DB-Artikel&ID=2694744]