2007-02-14 

wir sind überall...

Wie geht es voran?

Seit März 2005 wird an der deutschen Version von
‘WE ARE EVERYWHERE – the irresistible rise of global anticapitalism’ gearbeitet. Das umfangreiche Projekt hat uns als Übersetzungskolektiv nicht abgeschreckt und nach vielen durch-übersetzten Nächten ist das Projekt nun so gut wie abgeschlossen.

Wir haben einen freundlichen Verlag gefunden – Edition Nautilus – der uns tatkräftig unterstützt und an unsere Arbeit geglaubt hat, wofür wir uns herzlich bedanken wollen.

Das deutsche Buch wird am 7. März 2007 in den Buchläden erscheinen! Wenn ihr es online vorbestellen möchtet, geht auf unsere Bestellseite, oder schreibt eine Mail Edition Nautilus: info@edition-nautilus.de.

“Die Welt besteht aus Geschichten, nicht aus Atomen.”

Muriel Rukeyser

Um was geht es?

wir sind überall ist eine Geschichtensammlung. Geschichten, die von Aktivisten an der Front des Widerstandskampfes gegen Kapitalismus und wirtschaftliche Globalisierung verfasst wurden. Geschichten des Kampfes und der Rebellion von Mitgliedern der Bewegung der Bewegungen, die auf jedem Kontinent Fuß fasst. Diese Geschichten, die jeweils in Wort und Bild erzählt werden, wurden zwischen 2001 und 2003 von einem Kollektiv, bestehend aus Aktivisten, Autoren, Künstlern und allen, die eine tiefe Verbindung zur Bewegung verspüren, gesammelt.

Das Buch erforscht und feiert das, was Aktivisten, Wissenschaftler und Medien nun als die “antikapitalistische” Bewegung bezeichnen. Eine der größten Stärken dieser Bewegung ist ihr Vermögen, die Idee eines globalen politischen Projekts wieder aufleben zu lassen. Ein Projekt, das sich durch die Ideen von Autonomie, Ökologie, Demokratie, Selbstverwaltung und direkter Aktion definiert. Diese Ideen werden in Wir sind überall ausgekundschaftet.

Die Geschichten

In chronologischer Reihenfolge werden 55 Geschichten und Berichte aus 26 Ländern präsentiert. Einige davon sind höchst subjektiv, andere sind eine Art kollektive Erklärungen – sie wurden nicht nur wegen ihres dokumentarischen Charakters ausgewählt, Schlüsselthemen und Ereignisse der Bewegung festgehalten zu haben, sondern auch wegen der Qualität der Texte.

In den Seiten des Buches findet man den Bericht eines Taxifahrers, der sich während der Aktionen gegen die Welthandelsorganisation in Seattle mit anderen organisierte. Darauf folgt die Geschichte eines nigerianischen Aktivisten, der aus dem Exil nach Hause kommt und Zeuge eines “Karnevals der Unterdrückten” wird. Am selben Tag werden durch den “Karneval gegen das Kapital” auf der ganzen Welt Finanzzentren lahm gelegt.

Berichte von thailändischen Dorfbewohnern, die auf dem Weg zu einem Megastaudamm ein Protestdorf errichten, vermischen sich mit Fablen vom Kampf um das Wasser in Bolivien, Straßenblockaden von argentinischen Arbeitslosenbewegungen und mit dem Erfahrungsbericht einer Bewegung in Papua Neuguinea, die über das Internet erfuhren, dass sie nicht allein gegen die Politik der Weltbank kämpfen. Zusammengenommen spiegeln diese unterschiedlichen Schriften das Wesen dieser Bewegung wider. Die Geschichten werden durch sieben, von den Herausgebern verfassten, Aufsätzen eingeleitet, die einige der vielen bezeichnenden Akzente und Markenzeichen der Bewegung untersuchen.

Fotobericht

Das Buch wird zusätzlich von zehn Fotoberichten unterstrichen. Einige von ihnen dokumentieren bestimmte Ereignisse, wie die globalen Aktionstage (z.B. in Seattle, Prag und Genua); andere leiten ein Thema ein. Das Buch beginnt und endet mit Fotoberichten, die dem Leser die Reise durch das Buch zugänglich und anregend gestaltet.

Das Format

Das Buch hat mehr oder weniger die Form eines Backsteins und ist 520 Seiten lang. Es beinhaltet über 150 Fotos, von denen die meisten von unabhängigen Fotografen aus der Bewegung gespendet wurden. Das Layout und das Design wurde von einem Kollektiv erarbeitet, was die Vielfältigkeit wie auch die flexible Natur der globalen Bewegung im Widerstand gegen den Kapitalismus widerspiegelt.

Kritik

“wir sind überall ist das erste Buch, das die überschäumende Kreativität und das radikale Denken dieser weltweiten Protestbewegungen wahrhaftig einfängt und darstellt.”.
— Naomi Klein

“Dieses Buch ist wie die antikapitalistische Bewegung selbst: chaotisch, lyrisch und überschwänglich. Ideen und Geschichten aus allen Teilen der Welt füllen die Seiten. … Schon beim Lesen kann man die Rufe der Menge hören: Unser Widerstand ist so grenzübergreifend wie das Kapital. Wir sind überall. Wir werden gewinnen.’ "
— The Ecologist

“Hierbei handelt es sich um ein authentisches Dokument der Revolution.”
— The Times, London

“Je nach Einstellung ist dieses ziegelsteinförmige Handbuch eine Waffe, um das Getriebe der weltweiten Ausbeutung zu zerstören, oder ein Stein, um ihn an den Kopf geworfen zu bekommen ….”
— Luther Blissett

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Die ENTSTEHUNG eines unwiderstehlichen weltweiten Aufstands

Beginnend mit einer Beschreibung des Zapatisten-Aufstands, gibt dieser Aufsatz einen anregenden Überblick über die Bewegung. Er ist eine Einführung in die Idee einer neuen Art von Politik und artikuliert die ausschlaggebenden Charakteristiken der Bewegung. Er erklärt, dass dies eine globale ‘Bewegung der Bewegungen’ ist, die für direkte Demokratie, Ökologie, Vielfalt und den radikalen Abbau traditioneller Wege der Machtausübung, steht. Der Aufsatz räumt auch mit einigen Gerüchten auf – z.B. dass es sich hier um eine ‘Anti-Globalisierungs’-Bewegung handelt, die sich in Seattle gebildet hat – und verfolgt einige wahre Wurzeln zurück.
NETZWERKE: die Ökologie der Bewegungen

Netzkrieg – das mächtige, grenzenlose Territorium des Internets war das Gebiet, auf dem ein neuer Krieg ausgetragen wurde. Zum ersten Mal begannen Bewegungen, mit Computern verbunden zu kommunizieren, sich zu treffen – und so war die Möglichkeit einer wahren globalen sozialen Bewegung geboren. Zwischen Nord und Süd, Gewerkschaftlern und Öko-Aktivisten, indigenen Guerillakämpfern und Cyberpunks wurden Koalitionen gesponnen – die vorher nie denkbar gewesen wären. Dieser Aufsatz betrachtet die Art und Weise, wie sich aus diesen einzigartig vielfältigen Netzwerken radikale Konvergenzen entwickelten.

Für Professor Harry Cleaver ist die Organisation, die zwischen den Graswurzel-Gruppen geschieht, die perfekte Metapher. ‘Ein Ozean mit rastlosen Strömen und Wirbeln, der sich jetzt schneller bewegt, jetzt langsamer, jetzt wärmer, jetzt kälter, jetzt tiefer, jetzt an der Oberfläche. Ein Prozess dynamischer Selbstorganisation, der Kristallisation verweigert, aber dessen Richtung und Kraft beobachtet und verfolgt werden kann.’
AUTONOMIE: Räume schaffen für die Freiheit

Wenn es die zentrale Tatsache unserer Zeit ist, dass Macht und Wohlstand nach oben, an unverantwortliche globale Eliten verteilt wird, dann ist es ein besonderes Ziel unserer Bewegung, Räume für lokale Autonomie und partizipatorische Entscheidungsfindung zu schaffen. Dieser Aufsatz untersucht Modelle von lebendiger direkter Demokratie, von den Konvergenzzentren, die vor Massenaktionen errichtet werden, bis zu den öffentlichen Consultas in Lateinamerika und Spanien. Die zuletzt genannten sind eine Art selbst-organisierte Referenda, in denen z.B. 6 Millionen Brasilianer dafür stimmten, den IWF aus dem Land zu vertreiben. Dieser Text beleuchtet auch Wege, die autonome Organisationen und Institutionen nicht nur einrichten, sondern auch aufrecht erhalten können und neue Herausforderungen für die Bewegung liefern, um vorbildlich in der Welt zu leben, nach der wir streben.
KARNEVAL – Das Geheimnis des Glücks liegt im Widerstand

In vielen Teilen der Welt ist der Karneval eine subversive Macht. Vielleicht hat das FBI deshalb den Karneval gegen das Kapital – den Namen trugen viele der Massenaktionen bei Wirtschaftsgipfeln von London bis Quebec – auf seine Liste der meistgesuchten Vereinigungen gesetzt. Aber der Karneval gegen das Kapital ist keine Organisation. Er ist: eine Torte ins Gesicht; ein Feuerjoungleur; ein Sambarhythmus. Er ist eine Taktik. Er ist der Geist des zeitgemäßen Widerstands gegen das globale Kapital, von den Frauen von Tactical Frivolity, die sich mit grellen, pinken Kleidern, wilden Perücken, drei Meter hohen Fächerschleiern ausstatten und nur mit Staubwedeln bewaffnet den Polizeireihen entgegenzanzen; bis hin zu den Teddybären, die mit einem großen, mittelalterlichen Katapult über den 6 km langen Zaun, um den Gipfel zur Freihandelszone Gesamtamerikas, in Quebec City, geschossen wurden.

Seine unbegrenzte Kreativität ist unwiderstehlich, ansteckend und absolut unberechenbar. Während eines Karnevals kann alles passieren. Treffen der Welthandelsorganisation werden abgebrochen. Dieser Aufsatz erforscht die freudvollen Manifestationen des Karnevals auf der ganzen Welt und sein Potential als Methode zum sozialen Umbruch.
KLANDESTINITÄT – Widerstand gegen staatliche Repression

So wie die globale Bewegung gegen Neoliberalismus und für das Leben gewachsen ist und immer mehr Stimmen für sich gewinnen konnte, stieg sich auch die Repression. Doch mit jedem repressiven Akt offenbaren sich die wohlhabenden Männer immer mehr. Sie können sich nicht mehr anonym treffen. Ihre Demaskierung wurde zu einem Karnevalsritual, das sich in Seattle, Prag, Seoul und Buenos Aires wiederholte. Die Zäune wurden immer höher aufgezogen und die Konferenzen an immer abgelegeneren Orten veranstaltet, da die Maske der ‘Toleranz’ weiter hinab rutscht. Von denjenigen belagert, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, bekommen die wohlhabenden Männer Angst. Sie wollen die Gesichter des Widerstands benennen – sie wollen sie als Verbrecher, Terroristen, Flatearthers und Träumer bezeichnen. Sie wollen die Gesichter derjeniger, die sagen: ‘genug ist genug’ erfassen, katalogisieren und kriminalisieren. Sie verhaften Menschen, weil sie in den Straßen tanzen. Sie verabschieden Gesetze, die das Tragen von Masken, oder den Ausdruck von politischer Meinung verbieten. Sie wollen das Lachen des Widerstands für immer aus den Gesichtern wischen. Sie sind dazu bereit, uns wie Terroristen zu behandeln, uns, wenn es sein muss, zu töten.
LAUFEND stellen wir Fragen

Der abschließende Aufsatz versucht zu veranschaulichen, wohin die antikapitalistische Bewegung nach dem 11. September, in einem Klima gesteigerter Kriminalisierung von Dissens, gehen kann. Er untersucht die Kritik am Gipfel-Hopping und behandelt sich mit den Diskussionen um die Rückkehr zu Gemeinde-Organisation und der Schaffung einer nachhaltigen, sozialen Basis für eine Bewegung, die oft eine begründete Mitgliedschaft vermiss. Vor allem im globalen Norden.

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