2006-08-10 

Pressemitteilung zur "Villabesetzung" in Heiligendamm

Eigentum ist Diebstahl! Der Strand gehört allen!
Kein G8 in Heiligendamm und anderswo!

10. August 2006

Liebe FreundInnen der Sonne und des Strandes,
schon bald kann es vorbei sein mit dem Badespass! Geht es nach dem Willen der Fundus-Gruppe, die Eigentümer der Kempinski-Hotelanlage ist, dürfen hier bald nur noch zahlungskräftige Nutzniesser des Kapitalismus baden. Schon jetzt ist es für alle anderen äußerst schwierig zum Strand zu gelangen, weil die Fundus-Gruppe einen Großteil der Ortschaft Heiligendamm aufgekauft hat - in Zukunft soll hier ein Wellnesskomplex für Reiche entstehen. Nur auf Grund des Widerstandes der örtlichen Bevölkerung konnte bisher der Zugriff auf den Strand verhindert werden. Eigentum ist Diebstahl! Der Strand gehört allen!

Das Verhalten des jetzigen Kempinskikonzerns steht in der Tradition, die mit der "Arisierung" jüdischen Eigentums in Deutschland ihren Anfang nahm. 1937 wurde der Kempinskikonzern von den Nazis enteignet, die jüdischen Vorbesitzer wurden in Polen vergast. Bis heute wird dieses Thema vertuscht, es gibt keine Entschädigung, selbst der Forderung der überlebenden Angehörigen, den jüdischen Namen Kempinski nicht weiter für die Hotelkette zu nutzen, wird nicht nachgekommen.
Wir besetzen heute Gebäude auf dem Hotelgelände, von denen einige zum Abriss bestimmt sind, die mensch aber für verschiedene Projekte nutzen könnte. Wir wollen mit unserer Aktion nicht nur den Widerstand der Anwohner gegen die Wegnahme öffentlicher Güter unterstützen und auf die grausame Geschichte des Konzerns hinweisen, sondern auch ein Zeichen setzen gegen den im Juni 2007 hier stattfindenden G8-Gipfel. Bei diesem Gipfel treffen sich die acht größten Wirtschaftsmächte, um das Schicksal der ganzen Welt zu planen. Dabei stehen die Interessen der Profiteure der globalen Martwirtschaft im Mittelpunkt: Privatisierung, Unterdrückung und Krieg sind übliche Mittel zur Ausbeutung der Menschen. Soziale Rechte werden überall auf der Welt eingeschränkt - Arbeitslosigkeit, Armut, Hunger sind die Folgen für die große Mehrheit, während eine winzig kleine Minderheit immer reicher wird. Der Staat ermöglicht und unterstützt diesen Prozess, Widerstand wird mit allen staatlichen Unterdrückungsmechanismen gewaltsam bekämpft. Wir wollen uns das nicht mehr gefallen lassen. Den Repressionen des deutschen Staates zum Trotz haben wir uns in den letzten Tagen beim "Camp Inski" getroffen und gemeinsam unseren Widerstand geplant.
Die symbolische Besetzung der leerstehenden Villen in Heiligendamm soll nur ein Vorgeschmack auf kommende Proteste sein. Heute sind wir nur ein paar hundert Leute, im nächsten Jahr werden, wie bei den Gipfelprotesten in anderen Ländern, mehrere hunderttausend Menschen auf den Strassen sein.
Wir lassen uns den Mund nicht verbieten. Wir werden weiter für ein selbstbestimmtes Leben in Frieden kämpfen. Wir kommen wieder...