2005-12-12 

12.12.2005 Heiligendamm

- Dünne Luft in Heiligendamm
- Blamiert sich Deutschland beim Weltgipfel in Heiligendamm?
- Attac Germany, Initiative Social Forum, Invitation January 6
- control... out of control - BUKO 29 in Berlin, 25. - 28. Mai 2006
- BUKO Ratschlag, 13.-15.01.06

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Dünne Luft in Heiligendamm
Heiligendamm, 15. November 2005

Das Fundus-Projekt Grand Hotel Heiligendamm hat mit baulichen Unzulänglichkeiten zu kämpfen. Noch immer sind einige Gebäudeteile und der Spa-Bereich nicht mit Gängen zum Haupthaus verbunden. Die Gäste müssen im Bademantel die Strasse - hier halten zuweilen einige Touristenbusse! - überqueren. Bei nasskaltem Wetter macht das keiner gern. Und so wurde der Spa-Bereich kürzlich einfach einmal geschlossen. Über die Toplage und die Ankerwirkung des Kempinski-Hotels wird niemand streiten, doch die Anlage stellt derzeit keinen Fünf-Sterne-Standard dar, sagen Hotelexperten. Wie das zum G8-Gipfel, der 2007 in Heiligendamm stattfinden wird, behoben werden soll, ist nicht klar. Vielleicht bleibt's ja auch so. Auf jeden Fall machen sich die Berufsdemonstranten von Attac schon Gedanken, wie man Heiligendamm dann belagern kann. (car.)

Die besten Wellnesshotels 2005:
1. Sonnenalp Ofterschwang
2. Kempinski Grand Hotel Heiligendamm

[http://www.hottelling.de]

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Blamiert sich Deutschland beim Weltgipfel in Heiligendamm?
Landesregierung in Aufregung - Riesiger Sanierungsbedarf bis 2007

Schwerin - Im Sommer 2007 wollen sich die Regierungschefs der acht großen Industrienationen in Heiligendamm zum G8-Gipfel treffen. Doch zunehmend wird befürchtet, dass die Fundus-Gruppe als Großinvestor von Heiligendamm die Sanierung vieler Villen bis dahin nicht schafft.

Von Thomas Volgmann

Heiligendamm wirkt in diesen Tagen noch verträumter als sonst. Nur wenige Urlauber schlendern über die Promenade. Von dort aus bietet sich dem Betrachter ein Kontrast, wie er kaum größer sein kann.

Rechts strahlen die prachtvoll restaurierten klassizistischen Gebäude des Kempinski-Grand Hotels. Die Anlage wurde erst im vergangenen Jahr zum schönsten Hotel Deutschlands gekürt.

Links verfallen dagegen sieben einst prunkvolle Villen, die als Perlenkette bezeichnet früher einmal den Charme der Promenade von Heiligendamm ausmachten. Sanierungsbedarf gibt es auch an den grauen maroden Gebäuden an der Straße nach Kühlungsborn.

Häuser lediglich von außen anstreichen

Als im Sommer dieses Jahres bekannt wurde, dass die "Weiße Stadt am Meer" 2007 Ort des G8-Gipfels sein wird, war die Freude in der Schweriner Landesregierung riesig. Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) nannte es für Mecklenburg-Vorpommern eine "große Ehre und Herausforderung zugleich". Inzwischen werden die Blicke in der Staatskanzlei allerdings immer sorgenvoller, wenn man dort an das Großereignis in knapp 18 Monaten denkt.

"Wir kennen den Sanierungsbedarf und suchen mit dem Investor nach Lösungen", sagt Regierungssprecherin Marion Zinke, "einen gemeinsamen Nenner haben wir allerdings noch nicht gefunden."

Deutlichere Worte finden Baufachleute. "Es ist kaum möglich, die verfallenen Gebäude von Heiligendamm bis zum G8-Gipfel zu sanieren", sagt auch der Bad Doberaner Architekt Hannes Meyer. "Vermutlich wird man die Häuser lediglich von außen weiß anstreichen und den Großen dieser Welt Potjomkinsche Dörfer zeigen."

Geschäfte blieben hinter den Erwartungen zurück

1996 hatte die Fundus-Gruppe, die auch in Berlin das Hotel "Adlon" wieder aufgebaut hat, das historische Gebäude-Ensemble von Heiligendamm aufgekauft. Von den Schwierigkeiten, die den Fundus-Chef Arno August Jagdfeld derzeit quälen, weiß man auch in der Schweriner Staatskanzlei.

Zum einen blieben die Geschäfte in Heiligendamm hinter den Erwartungen zurück. "Die Jahresbelegung liegt 25 Prozent unter dem, was geplant war", bestätigt der Sprecher der Fundus-Gruppe, Johannes Beermann, gegenüber unserer Zeitung. Die Ursachen seien zum größten Teil in "normalen Anlaufschwierigkeiten" zu suchen, die schrittweise behoben würden. Beim Tourismusverband des Landes spricht man hinter vorgehaltener Hand allerdings davon, dass sich Fundus-Chef Jagdfeld schlicht verkalkuliert habe.

Der Fundus-Gruppe wird auch aus anderen Gründen nachgesagt, dass ihr das Geld für weitere Sanierungen fehle. So habe das Unternehmen aus Düren in Nordrhein-Westfalen das Bürohaus "Pyramide" in Berlin mit hohen Verlusten verkaufen müssen. 123 Millionen Euro an Einlagen seien dabei verloren gegangen, hieß es in Medienberichten. Dazu Fundus-Sprecher Beermann: "Pyramide belastet Heiligendamm in keiner Weise, beides sind völlig unabhängige Fonds."

Führende Wirtschaftszeitungen vermuten allerdings, dass das Ende des "Pyramide"-Fonds ein schlechtes Licht auf Jagdfelds gesamtes Fondsimperium werfen könnte. Seit Monaten würde Fundus um Investoren werben, die Kapitalerhöhungen für das Grand Hotel Heiligendamm zeichnen. Der Absatz laufe schleppend, denn den dort bereits investierten Anlegern war 2004 die versprochene Ausschüttung gestrichen worden, schreibt die Financial Times.

Sanierung erst 2010 geplant

Fundus-Sprecher Johannes Beermann bleibt Optimist. "Wenn die neue Bundesregierung sich gefunden hat, werden wir zügig Gespräche über den Weltgipfel führen", meint der Jurist.

Das Unternehmen will die Strandvillen zu luxuriösen Feriendomizilen umbauen. Doch erst im Jahr 2010 soll mit der Sanierung begonnen werden. Denn dann, so schätzt man bei Fundus, seien für wenigstens die Hälfte der in den Villen geplanten Ferienwohnungen Investoren gefunden worden. Doch bei Entgegenkommen und Unterstützung der Bundesregierung würde Fundus seine Sanierungspläne vorziehen. Beermann: "Wir können über alles reden." Denkbar sei ein Kredit.

Doch ob Bund und Land dem Immobilien-Fonds Millionen Euro vorschießen werden, ist noch offen.

[Schweriner Volkszeitung 10.12.2005]

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2007 Europe-wide protest against the neoliberal world elite

For a broad mobilisation against the G-8 meeting in Heiligendammm

In June, there will take place in Germany - in the Baltic sea resort Heiligendamm near Rostock - the next scheduled G8 summit after Edinburgh and St. Petersburg. Poverty, indebtedness, environmental destruction, war, attacks at social and democratic basic rights - that is the catastrophic balance sheet of the neoliberal policy of the eight most powerful economic nations.

We think that a broad European counter-mobilisation is also necessary against this summit in order to protest against the humanity- despising policy of this self-named global elite and to make visible the alternatives offered by the social movements. We take reference in this endeavour from the experiences of the summit mobilisation of Genoa, Evian, and Edinburgh.

The mobilisations of the movement for global justice were the most successful, when it was possible to reach unity without ignoring the thematic differences and the different action forms. In Germany, already now civil society groups and networks are preparing a comprehensive political alliance.

Our goal is a broad social alliance process at the European level in order to protest against the G-8 summit and its policy. We support the appeal by the assembly of social movements that took place after the First Social Forum in Erfurt.

We propose to the Assembly of the Social Movements in the wake of the Fourth Social Forum in Athens to prepare a European call to mobilisation for a broad protest against the G-8 summit 2007 in Germany.

Initiative Social Forum, Germany
Attac Germany
Hugo Braun Journalist
Feldstr. 34
D- 40479 Düsseldorf
Tel. +49 211 674980

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control... out of control
BUKO 29 in Berlin, 25. - 28. Mai 2006

Schwerpunkte: Sicherheits- & Kontrollpolitiken, G8, Energie, Kolonialismus/Migration
Wir, die Vorbereitungsgruppe des BUKO 29, möchten Euch herzlich einladen, mit uns gemeinsam den BUKO in Berlin vorzubereiten!
Wer wir sind und was wir wollen:
Die Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) hat sich in den letzten Jahren zum Diskussionsforum einer unabhängigen, globalisierungskritischen und internationalistischen Linken entwickelt.
Die Vorbereitungsgruppe des BUKO 29 sind neben der Geschäftsstelle und dem SprecherInnenrat der BUKO Menschen aus unterschiedlichen Projekten und Gruppen, die dazu beitragen möchten, dass der nächste BUKO von einem möglichst großem linkem/ linksradikalem Spektrum vorbereitet wird. Wir wünschen uns vielseitige inhaltliche Debatten und einen Austausch über die weltweiten Widerstandspraktiken.
Womit will sich der BUKO 29 auseinandersetzen?
Auf den ersten beiden Vorbereitungswochenenden im Juli und Oktober 2005 hat sich als inhaltliche Klammer "control ... out of control" heraus kristallisiert.

Wie konstituiert sich herrschaftliche Kontrolle? Wie wirkt sie sich aus? Wie verändert sie sich? Welche Formen widerständiger Praxis ermöglichen es, sich außer Kontrolle zu begeben und Kontrolle abzuschaffen?

Innerhalb dieser Klammer soll es vier thematische Schwerpunkte geben:
Sicherheits- & Kontrollpolitiken
Wir wollen uns mit der Produktion von (Un-) Sicherheit im urbanen Raum unterschiedlicher Regionen und den verschiedenen Akteuren (Stichwort: Privatisierung von Sicherheit) auseinandersetzen. Vor dem Hintergrund kapitalistischer Globalisierung und medialer Kriminalitätskampagnen entstehen weltweit objektive wie subjektive Unsicherheiten. Mit dem Ausbau von Überwachungstechnologien (Videoüberweit Ausbau von Überwachungstechnologien (Videoüberweit wachung, DNA-Analysen, Gen-Datenbanken etc.) sollen Informations- und Handlungsmacht gewährt bleiben und der Status Quo einer herrschenden (Un-) Sicherheitsordnung präventiv gesichert werden. Wir wollen den Widerstand gegen Kontrolltechnologien untersuchen und Anknüpfungspunkte für Kampagnen und Aktionen auch in Hinblick auf die Fußball-WM 2006 vorstellen.

G8
Seit der Einfluss der informellen Treffen der acht mächtigsten Staaten seit den 90ern wuchs, sind die jährlichen Gipfeltreffen der G8 zunehmend von Protest, Aktion und Widerstand begleitet worden, sei es in Genua, Evian oder Gleneagles. 2007 wird der G8-Gipfel in Heiligendamm an der deutschen Ostseeküste stattfinden. Auf dem BUKO 29 stellt sich für uns die Herausforderung, die Vernetzung der Gruppen und den Widerstand gegen den Gipfel stärker als bisher mit einer fundierten Kritik zu verknüpfen. Dazu wollen wir uns zum einen mit der Rolle der G8 in den globalen Herrschaftsverhältnissen auseinandersetzen. Wie werden Themen gesetzt, Diskurse gelenkt und Definitionen verordnet? Wie werden internationale Institutionen kontrolliert, Medien vereinnahmt und Lobby-Organisationen eingebunden? In welchen Bereichen und wie werden die Ergebnisse der Gipfel in den G8-Staaten umgesetzt? Nach Jahren des Widerstands gegen die Treffen der "Großen Acht" ist es auch an der Zeit für eine Reflexion der Bewegung. Wer beein? usst wen? Die Widerstandsbewegung die G8? Oder umgekehrt? Kann der Gipfelprotest der Beförderung eigener Inhalte dienen? Sind dafür dezentrale Aktionen angesagt? Ist die Verhinderung des Gipfels eine adäquate Antwort auf diese Inszenierung von Macht?

Energie
Ausgehend von Energie als Versprechen, Energie als Beute und Energie als soziales Verhältnis können wir Folgendes kontrovers diskutieren: Inwieweit bedingen oder beschränken unterschiedliche Energiesysteme gesellschaftliche Entwicklungen? Wer herrscht über Energie? Welche Energiesysteme erzeugen welche gesellschaftlichen Verhältnisse, und welche Naturverhältnisse werden damit erzeugt bzw. reproduziert? Wie wird ein Rohstoff zur Ware Energie? Warum scheint es so schwierig, von zentraler auf dezentrale Elektrizitätsversorgung umzustellen? Wer hat die Kontrolle über Energie und welche Kontrolle ist für Energie nötig? Warum ist Anti-Atom- Politik mehr als Castor-Blockaden, und was hat Energie mit unserem Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung und für ein schönes Leben, zu tun? Und dürfen ChinesInnen eigentlich Auto fahren?

Kolonialismus & Migration
Mit diesem Themenblock knüpfen wir an die Diskussionen auf dem vergangenen BUKO an und möchten diskutieren, welche Kontinuitäten und Brüche in der kolonialen Herrschaftspraxis und ihren Auswirkungen auf heutige Migrationspolitiken es gibt. Aus unserer Sicht stellen Kolonialismus und Migration zwei Seiten derselben Medaille dar. Dieses Verständnis impliziert, dass wir uns auf dem BUKO auf diejenigen Formen von Migration konzentrieren wollen, die im Zusammenhang mit Kolonialisierung stehen. Wir begreifen auch Kolonialismus als eine Form von Migration. Kolonialismus beschreibt zudem ein Dominanzverhältnis. Wichtig ist uns, von Kolonialismus nicht als einem Phänomen der Vergangenheit, sondern (auch) der Gegenwart zu sprechen. Arbeitsmigration, Residenzpflicht und Lagerunterbringung von Flüchtlingen: Inwieweit zeigt sich in der Praxis der Flüchtlings- und Migrationspolitik eine Fortsetzung kolonialer Herrschaftsverhältnisse? Welches sind die veränderten sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Ausbeutungsformen? Welche Akteure nehmen dabei welche Rollen ein? Also: wie funktioniert Kontrolle im Kontext von Kolonialismus und Migration? Aufgreifen wollen wir auch die Ansätze der Postcolonial Studies, die den Blick auf die kulturelle, soziale und psychische Kolonialisierung in der Gegenwart richten. Die Perspektive auf Whiteness ermöglicht es, nicht nur die "Anderen" zu betrachten, sondern das (vermeintliche) Zentrum - die Konstruktion der weißen Mehrheit - zu dezentrieren. Auf dem BUKO wollen wir auch diskutieren, wie diese Perspektive für die Weiterentwicklung antirassistischer politischer Praxis hilfreich sein kann.
Organisatorisches
Bundesweites Vorbereitungstreffen: 20.-22.01.2006 in Berlin
Berliner Orga-Treffen:
Do. 15.12.2005; Do. 19.01.2006, 20 Uhr
Do. 16.02.2006, 20 Uhr
Im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin (Wegbeschreibung unter: www.hausderdemokratie.de)
Kontakt: für die bundesweite Vorbereitung, die lokale Organisationsarbeit und die inhaltlichen Schwerpunkte unter: mail@buko.info

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BUKO Ratschlag, 13.-15.01.06

Der nächste BUKO-Ratschlag ist vom 13.-15.01.06 geplant. U.a. soll es bei diesem Ratschlag um das G8-Treffen 2007 in Heiligendamm gehen und darum, wie die BUKO sich in die Kampagne gegen das Treffen einbringen möchte.

Der Ratschlag wird aller Wahrscheinlichkeit nach in Kassel stattfinden. Eine Kinderbetreuung wird organisiert werden.

Weitere Infos folgen...

[mail@buko.info]